Bruderschaft St. Sebastianus und St. Vitus Obergeburth Waldhausen

Bruderschaft St. Sebastianus und St. Vitus Obergeburth Waldhausen e.V.

gegr. 1279

Das Jubelfest 2004 war auch die 55. Prunk nach dem Zusammenschluss der St. Vitus Junggesellen- und der St. Sebastianus Männerbruderschaft.

Sicher kein Jubiläum, aber doch ein Grund einmal zurückzuschauen in die Jahre, nach dem Zusammenschluss der beiden Bruderschaften.

Natürlich waren diese 55 Jahre Prunk nach dem Krieg, von vielen Ereignissen begleitet, die alle aufzuzählen, sicher den Rahmen sprengen würde. Aber einiges gilt es doch zu erwähnen.

In einer Zeit, die mit der heutigen nicht mehr vergleichbar ist, begann die Bruderschaft 1949 wieder neu aufzuleben. Nach den Kriegswirren und den hohen Verlusten in den Reihen der beiden Bruderschaften, ergriffen Männer wie Franz Langenfeld und Hermann Pult die Gelegenheit, den Zusammenschluss der beiden Bruderschaften in vielen Einzelsitzungen vorzubereiten.

Bald hatten die beiden damaligen Präsidenten, Franz Langenfeld von den Junggesellen und Hermann Pult von der Männerbruderschaft verstanden, dass der weitere Weg durch die Zeit, nur mit einem Zusammenschluss erfolgreich zu gehen war.

Nach guter Vorbereitung durch die beiden Vorstände, fand die erste gemeinsame Generalversammlung am 07. November 1948 im Lokal Massy, auf der Roermonder Str. 78, statt. Die Versammlung wurde von Pfarrer Reuter geführt und beschloss unter Punkt zwei der Tagesordnung, den Zusammenschluss der Bruderschaft, mit 49 Ja- und zwei Neinstimmen. Die Bruderschaft sollte den Namen St. Sebastianus und St. Vitus, Obergeburth Waldhausen tragen. Zum ersten Präsidenten wurde Hermann Pult gewählt.

Am 09.01.1949 fand die erste Jahreshauptversammlung statt und am 15.Mai 1949 schoss Alex Zeuren, von der Dülkener Straße, als erster Bruderschaftler nach dem Krieg, den Vogel von der Stange. Die erste Prunk wurde noch im Turnsaal der Kath. Volksschule Am Ringerberg, der früheren Notkirche, gefeiert.

Bereits im Jahre 1950, als der Metzgermeister Willi Nethen den Vogel abschoss, feierte die Bruderschaft Ihre Waldhausener Prunk erstmals im Festzelt auf der Nicodemstraße.

Damals führte der Zugweg noch zum Alten Markt, einmal um die Hauptpfarrkirche und wieder zurück nach Waldhausen, für heutige Bruderschaftler und Musikanten eine unvorstellbare Sache.

Das Lied „Es wird in hundert Jahren wieder so ein Frühling sein“ , ist den älteren Bruderschaftlern sicher noch gut in Erinnerung und war als Lied der Königin 1950, lange Zeit in der Bruderschaft populär.

1951 dann, Jubelfest der Junggesellenbruderschaft mit König Franz Langenfeld, dem langjährigen Präsidenten der Junggesellen, dem dann 1952 Arnold Heyer und 1953 Adolf Frentzen als Schützenkönig nachfolgten.

1954, „675 Jahre St. Sebastianus Bruderschaft Waldhausen“, ein Jubelfest welches eine große Prunk mit sich brachte. So sang man damals das Lied “Schützenliesel, dreimal hat‘s gekracht“. Gekracht hatte es auch, als Willi van der Weyden den Vogel von der Stange holte und mit seiner Königin Christel als Jubelkönig durch Waldhausen zog.

Im Jahre 1955 hieß der König Heinz Wilms, dem dann 1956 und 1957 Leo Dielen als König folgte. Natürlich war der Vogelschuss 1958 eine spannende Sache, aber gegen alle anderen Kandidaten, konnte sich Leo Dielen zum dritten Male durchsetzen und wurde der erste Kaiser unserer Bruderschaft.

1959 schoss Suitbert Bensberg den Vogel ab und ihm tat es 1960 Hans Josef Brachten gleich, der von den Schillschen Offizieren zur Bruderschaft gestoßen war und nicht nur als König, sondern auch mehr als 30 Jahre im Vorstand der Bruderschaft aktiv war.

1960, ein Jahr, dass der Bruderschaft nach Hermann Pult, Heinrich Schopen und Franz Röders, mit Hanstoni Foerster einen für damalige Verhältnisse, jungen Präsidenten bescherte, der mit seiner Weitsicht und seinem überragenden Einsatz, die Bruderschaft 37 Jahre durch die Zeit führte.

1961, wer kennt Ihn nicht? Der König hieß Hans Pöstges sen., der dann 1962 von Manfred und 1963 von Walter Schumachers abgelöst wurde.

Der langjährige General unserer Bruderschaft, Hans Schmitz, war 1964 beim Königsvogelschuss erfolgreich und ihm folgten 1965 Heinz Hofer, 1966 Heinz Hanraths und 1967 Herbert Hurtz, als Könige nach.

In diese Zeit vielen auch die Christopherusfahrten, bei denen von Bruderschaftlern alte und gehbehinderte Menschen aus Waldhausen und der gesamten Stadt, zu Ausflügen in die nähere Umgebung eingeladen wurden. Ebenso wurden Krankenfahrten von Bruderschaftlern mit privaten PKW’s durchgeführt.

1968 sang man das Lied von den Apfelsinen im Haar, dass der Königin Hannelore mit ihrem König Hanstoni Foerster gewidmet war, der es sich als Präsident nicht nehmen ließ, die Königswürde zu erringen.

Mitte, bis Ende der sechziger Jahre, führte die Bruderschaft große Altpapiersammlungen durch, deren Erlös der Pfarrcaritas zugute kam. Auch dies ist heute überholt, wie so Manches aus der damaligen Zeit.

Der sich ankündigende Wechsel des Jahrzehnts, brachte die jüngere Generation an die Stange und so schossen 1969 Fred Kamphausen und 1970 Josef Lieutenant den Vogel ab.

Unvergessen für viele Bruderschaftler, ist die Prunk 1971, mit dem König Helmut Königs, der im gleichen Jahr die Würde des Bezirksschützenkönigs errang und mit seiner Landsknechtsgruppe, die bis heute bestehende Rollstuhlaktion ins Leben rief.

Friedhelm Schumachers, auch ein König der damals jüngeren Generation, schoss mit 20 Jahren 1972 den Vogel ab, der dann 1973 von Hans Josef Brachten und 1974 von Heinz Goertz ebenso erfolgreich abgeschossen wurde.

1973 verließ uns unser langjähriger Präses, Pfarrer Rheinhard Weiland, der durch sein großes soziales Engagement, viel für Waldhausen geleistet hatte. Dass Strom und fließendes Wasser in die Enklave Hensenweg verlegt wurde, war dem Einsatz von Pfarrer Weiland zu verdanken.

Ihm folgte unser heutiger Ehrenpräses, Pfarrer Horst Peter Schumacher, der nun schon 28 Jahre unsere Bruderschaft als Präses und drei Jahre als Ehrenpräses begleitet

Im gleichen Jahr begannen die Vorbereitungen auf das Jubelfest 1979 und mit Frühlingsfesten, Oktoberfesten und vielen anderen Aktivitäten, wurde der finanzielle Grundstock für ein großes Fest gelegt.

Fünfmal noch, musste der Vogel fallen und so waren 1975 Josef Schellen, 1976 Willi Thevissen, 1977 Herbert Dielen, 1978 Walter Potz und im Jubeljahr 1979, unser Kaiser der fünfziger Jahre, Leo Dielen, erfolgreich.

Mit seinen beiden Söhnen, Dieter und Herbert, war das Königsgespann für das Jubeljahr komplett. Eine Festwoche in der von Anfang bis Ende, nach vierjähriger Vorbereitung, alles aufs Genaueste stimmte, wurde für die Bruderschaft und Waldhausen zu einem unvergessenen Fest. Heute, 25 Jahre danach, ist noch Vieles in unseren Herzen und so durften wir uns schon auf das bevorstehende Jubelfest 2004, dem 725 jährigen Bestehen der Bruderschaft freuen.

Ein neues Jahrzehnt brach an und der König 1980 hieß Francisco de Teba. Matthias Dahmen war sein Nachfolger, in dessen Königsgespann zum ersten mal der Name Alois Zarda auftauchte. 1982 war Klaus Schnock, damals schon sehr aktiv, wenn es um die Reiterei der Bruderschaft ging, erfolgreich. Ihm folgte dann 1983- und 84 Alois Zarda als König nach. 1985 gelang es Alois Zarda den Vogel erneut abzuschießen und er war damit der zweite Kaiser unserer Bruderschaft in diesen 50 Jahren.

1986 sangen Bruderschaftler das Lied „Schön, so schön war die Zeit“ ,das der Königin Sigi, mit Ihrem König Franz Josef Siegers gewidmet war.

Im gleichen Jahr wurde der Handwerkerpool der Bruderschaft, zur Unterstützung der Caritaspflegestation, gegründet, der viele Jahre aktiv handwerkliche Tätigkeiten für die Pflegestation durchführte.

Mit Herbert Hurtz 1987, Hanstoni Foerster 1988 und dem König Dieter Dicke 1989, gingen die achtziger Jahre zuende, die leider nicht nur schöne Zeiten brachten. Denn mit Helmut Königs verlor die Bruderschaft schon zu Beginn der achtziger Jahre, eines seiner aktivsten Mitglieder.

Das letzte Jahrzehnt vor dem Jahrtausendwechsel begann und August Delbos war der erfolgreiche Schütze 1990. Ihm folgte 1991 Paul Brosch, 1992 Klaus Schnock und 1993 Markus Delbos.

Dieter Gehlen war 1994 für seinen Freund Heiner Rosso, der schwer erkrankt war, als König eingesprungen und so war es verständlich, dass er nach König Franz de Teba 1995, bereits 1996, durch eigene Schießkunst König unserer Bruderschaft wurde.

In diesen Jahren begann die Partnerschaft mit der Urwaldpfarre Sta. Anna auf den Phillipinen, die von Pater Ulrich Schlecht, einem in Waldhausen geborenen Styler Missionar, geleitet wird und deren finanzielles Wohlergehen bis heute, nicht zuletzt von den Spenden der Bruderschaftler und Ihrer Gäste abhängig ist.

Mit Hans-Günter Ginster 1997, Jochen Foerster 1998 und Franz Josef Urbals 1999, geht die Reihe der Könige im 19. Jahrhundert zu Ende.

Im Jahre 2000 errang der Metzgermeister Hartmut Casteel die Königswürde, dem dann 2001 Franz Liffers und 2002 Hans Dömges als Könige nachfolgten.

Das neue Jahrtausend begann mit dem Ausweiten der sozialen Aktivitäten der Bruderschaft, von ortsteilbezogenen Projekten, auf überregionale Spenden. So werden im neuen Jahrtausend, mit der Übernahme von vier Patenschaften, Kindern der Organisation „World Vision“ in vier verschiedenen Kontinenten unterstützt.

Mit einem beherzten Schuss und gegen großen Widerstand, setzte sich Ansgar Rixkens als König des Jahres 2003 in besonderer Weise für die Bruderschaft ein. Er ist damit Ex-König im Jubeljahr 2004. Die Würde des Jubelkönigs errang im Herbst 2003 Heinz-Willi Schuh, der als Jubelkönig die Bruderschaft im Jahre 2004 repräsentiert.

Die Königswürden wurden 2005 mit Hubert Neunkirchen und im Jahr 2006 mit Hans-Ulrich Görtz fortgesetzt.


Allen Königen, die als Repräsentanten der Bruderschaft in diesen mehr als 50 Jahren zur Seite standen, gilt unser herzlicher Dank.

In unsere Erinnerung zurückrufen, möchte ich aber auch noch die Namen einiger Bruderschaftler, wie Hans Schmitz, Günter Ginster, Josef Wolf und Peter Hillekamps, die durch Ihre Arbeit und ihr bruderschaftliches Leben, diese Zeit mitgestaltet haben.

Natürlich gilt auch ein Dankeschön, den vielen Brudermeistern, Jungkönigen, Adjutanten, Schülerprinzen und Rittern, Fähnrichen, Hauptleuten, Offizieren, Reitern und Bruderschaftlern, die in diesen Jahren unsere Prunk hochgehalten und mitgetragen haben.

Nur eines sollten wir bedenken und da zitiere ich einen Satz unseres Ehrenpräsidenten Hanstoni Foerster:
„Prunkfeierlichkeiten sind Mittel zum Zweck“.

Im Mittelpunkt unserer Arbeit, sollte das bruderschaftliche Miteinander, die Gemein-samkeit im Handeln und Denken und die Rücksichtnahme auf unsere Mitmenschen stehen.

Es muss aber auch am Beginn dieses neuen Jahrtausends, die Erkenntnis reifen, dass wir zwar mit Stolz auf unsere Traditionen schauen können, uns aber von der Tradition, eine Männerdomäne zu sein, verabschieden müssen. Die heutige Jugend hat in Ihrer erfrischenden Offenheit, ein anderes Verständnis, vom Miteinander der Geschlechter und so darf nicht die Frage sein ob, sondern wie wir unsere Frauen in unsere Gemeinschaft integrieren.

Aktivitäten wie, Rollstuhlaktion, Handwerkerpool, Beteiligung an kirchlicher Arbeit, Caritassammlungen und das Sammeln von Spenden für unsere Patenpfarre auf den Philippinen, sollten als Aufgabe der Bruderschaft auch von Frauen zu vertreten und für gestandene Bruderschaftler, im neuen Jahrtausend selbstverständlich sein.

Stellt sich noch die Frage, ist ein Heimatverein, welcher unsere Bruderschaft ohne Zweifel ist, noch zeitgemäß? Ich meine, mehr denn je!

Gerade in einer Welt, in der, in wenigen Stunden jeder Punkt der Erde erreichbar ist und die finanziellen Möglichkeiten fast jedem Einzelnen, die Freiheit des Reisens in andere Länder und Kulturen ermöglicht, braucht der Mensch ein echtes Zuhause. Das ist für uns alle, Waldhausen! Unsere Heimat!

Dieses spezielle Heimatgefühl wollen wir nicht nur bei unseren Mitgliedern, sondern vor allem bei unseren jüngeren, waldhausener Mitbürgern wecken und erhalten.

Wenn es uns als Bruderschaft gelingt, dieses Heimatgefühl in die Herzen unserer Kinder und Jugendlichen zu verankern, die Aktivitäten der letzten 55 Jahre fortzuführen und unser Denken und Handeln auf die neue Zeit auszurichten, dann können wir erhobenen Hauptes auch im neuen Jahrtausend bestehen. Mit unserem Engagement für unsere Jugend und unsere Mitmenschen, sollten wir Zeichen setzen, für uns selbst und für Andere.

Mögen wir weiter nach unserem Wahlspruch handeln und leben:
„Für Glaube, Sitte und Heimat“.

Franz-Josef Siegers
Ehrenpräsident